Hüftarthrose

Die Diagnose Hüftgelenkarthrose bzw. Hüftarthrose ist für Läufer häufig fatal und nicht selten der Anfang vom Ende des Laufsports, denn weiterzulaufen verschlimmert oft die Arthrose.

Unter Arthrose versteht man Gelenkverschleiß. Experten schätzen, dass in Deutschland zwischen 5 bis 8 Millionen Menschen über 40 Jahren unter Arthrose leiden (sueddeutsche.de). Besonders häufig gehen Knie- und Hüftgelenke kaputt – und dass, obwohl der Mensch eigentlich für das Gehen (und Laufen) angepasst ist.

Beim Laufen wirkt bei jedem Schritt das 2,5- bis 4-fache des eigenen Körpergewichts auf die Sprunggelenke. Dadurch werden bei regelmäßigem Laufen natürlich sowohl die Knie als auch die Hüfte deutlich stärker beansprucht als beispielsweise bei Schwimmern oder Radfahrern. Fakt ist: so faszinierend der Laufsport für viele Aktive ist, fordert er dem menschlichen Körper einiges ab. Das Herz-Kreislaufsystem ist super, der Ruhepuls bestechend, die Fitness außergewöhnlich. Aber doch kann sehr schnell Endstation sein, wenn Knie oder Hüften „nicht mehr mitspielen“.

Das Tückische an der Arthrose ist: der Gelenkverschleiß wird in der Regel nicht bemerkt. Er beginnt bereits viel früher, nicht erst, wenn es weh tut. Wenn Schmerzen auftreten, ist der Verschleiß oft schon relativ weit fortgeschritten.

Hüftarthrose durch Laufen, Joggen

Lässt sich Arthrose verhindern?

Arthrose lässt sich nicht grundsätzlich verhindern. Es gibt jedoch zwei unterschiedliche Arten von Arthrose: die primäre Arthrose, die mit zunehmendem Alter auftritt und die sekundäre Arthrose, welche durch Verletzungen entsteht. Im Verbindungsbereich zwischen zwei Knochen befindet sich gleitfähiger Knorpel, der von Gelenkschmiere (Synovialflüssigkeit) überzogen ist. Der Knorpel wirkt als Puffer. Bei einer starken Belastung wie dem Laufsport können im Knorpel und den Menisken Risse entstehen und die Knorpelschicht kann abgerieben werden.

Ohne starke Belastungen wie das Laufen lässt sich die Arthrose zwar nicht grundsätzlich vermeiden, das Risiko, an sekundärer Arthrose zu erkranken, sinkt jedoch.

Wie fühlt sich Arthrose an?

Bei leichterer Arthrose ist erst ein Teil des Knorpels verschwunden, bei schwerer Arthrose ist der Knorpel weitgehend abgerieben und es reibt sozusagen „Knochen an Knochen“, was mit Schmerzen einhergeht.
Hüftarthrose kann sich beispielsweise dahingegen bemerkbar machen, beim Schlafen mehrmals in der Nacht aufzuwachen und ein Gefühl zu spüren, als würde jemand mit einer Stricknadel in der betroffenen Stelle herumwühlen. Beim Gehen können stechende Schmerzen in der Hüfte auftreten.

Lässt sich Arthrose heilen?

Nein.
Der entstandene Schaden lässt sich nicht mehr reparieren. Manche Ärzte raten dazu, die geschädigte Stelle „aufzufüllen“. Dazu kann beispielsweise aus Eigenblut Knorpel nachgezüchtet werden. Wir haben mit der Kölner Osteopathin Katrin Brause darüber gesprochen. Das Problem besteht darin, dass der Körper den Knorpel oft nicht annimmt und solche Therapiemethoden häufig nicht von längerfristigem Erfolg gekrönt sind. Zudem lassen sie sich (wenn überhaupt) zwar im Bereich des Kniegelenks, nicht jedoch bei Hüftarthrose einsetzen.


Behandlungsmethoden bei Hüftarthrose

Auch wenn die Arthrose selbst nicht heilbar ist, gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die zur Linderung der Beschwerden beitragen können:

  1. Zunächst einmal gilt es, die Belastung zu reduzieren und eine Laufpause einzulegen. Linderung lässt sich durch entzündungshemmende Medikamente oder Cortisonspritzen erreichen.
    Auch die Elektrotherapie, Massagen oder Low-Level-Lasertherapie können schmerzlindernd wirken.

    Dabei solltest du jedoch nicht vergessen, dass im besten Fall die Schmerzen gelindert oder behoben werden, die Ursache der Schmerzen jedoch weiter besteht. Denn geheilt wird die Arthrose nicht. Wer weiterläuft, riskiert auch weiteren Knorpelverschleiß und somit eine fortschreitende Arthrose. Daher ist es sinnvoll, sich Gedanken über mögliche Alternativsportarten wie beispielsweise Radfahren, Spinning/Indoorcycling, Schwimmen oder Aquajogging zu machen.

  2. Durch das Laufen und die immer gleichen Bewegungsabläufe können sich die Sehnen verkürzen und Spannungen entstehen. So kann neben der Hüftarthrose ggf. zusätzlich immer wieder der Wadenbeinkopf blockieren, was sich durch stechende Schmerzen im äußeren Bereich des Kniegelenks bemerkbar macht. Durch Osteopathisch Behandlung lassen sich solche Spannungen reduzieren und die Beschwerden lindern.

  3. Gewichtsoptimierung: wer regelmäßig läuft, leidet (meist) nicht unter Übergewicht. Trotzdem gibt es natürlich gertenschlanke Läufer und solche, die einige Pfunde mehr mit sich herumschleppen. Weniger Körpergewicht bewirkt, dass auch weniger Druck auf das Hüftgelenk ausgeübt wird. Wer bereits schlank ist, sollte darauf achten, es auch zu bleiben – auch wenn der Laufsport womöglich an den Nagel gehängt werden muss.

  4. Ernährung: durch eine Umstellung der Ernährung lässt sich Arthrose zwar nicht heilen, jedoch ihr Verlauf beeinflussen.

    Folgende Nahrungsmittel sollten möglichst reduziert werden:

    • Alkohol und Kaffee
    • Käse
    • Fleischreiche Ernährung
    • Gehärtete Fette
    • Gesättigte Fettsäuren
    Vorteilhaft hingegen sind:

    • Ungesättigte Fette
    • Calciumreiche Nahrungsmittel wie z.B. fettarme Milch und Joghurt
    • Ballastoffreiche Ernährung (z.B. Reis)
    • Fisch
    • Lauch / Zwiebeln / Knoblauch haben nachweislich eine knorpelschützende Wirkung und können die Arthrose verlangsamen
  5. Invasive Maßnahmen: die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks wird heutzutage manchmal als reine „Routineoperation“ gepriesen und dabei verschwiegen dass sie oft überflüssig ist beziehungsweise zu früh in Betracht gezogen wird. Ein solcher Schritt sollte wohlüberlegt sein und nicht leichtfertig entschieden werden. Wer chronische Schmerzen hat, dem bleibt womöglich keine andere Wahl.
    Ein solches künstliches Gelenk hält in der Regel aber bestenfalls circa 15 Jahre, bevor es ausgetauscht werden muss. Wer also in relativ jungen Jahren bereits das erste künstliche Hüftgelenk erhält und womöglich 80 oder 90 Jahre alt wird, auf den kommt einiges zu.
    Ein Läufer aus meiner früheren Laufgruppe nimmt mit seinen beiden künstlichen Hüftgelenken sogar wieder an Triathlons und Marathons teil. Was einerseits bewunderndes Staunen hervorrufen kann, hat aber andererseits auch eine zweite Seite: bei solchen Belastungen steigt das Risiko, dass die künstlichen Hüftgelenke schon sehr viel früher als nach 15 Jahren ausgetauscht werden müssen. Und eine solche Operation – Routine hin, Routine her – ist, inklusive der sich daran anschließenden Reha, keine Kleinigkeit.

Der Hüftarthrose vorbeugen

Es gibt einige Dinge, die das Risiko einer Hüftarthrose reduzieren oder dafür sorgen können, dass sie weniger stark fortschreitet. Das Problem dabei ist, dass wohl die meisten Läufer erst dann mit dem Thema „Arthrose“ konfrontiert werden, wenn diese bereits fortgeschritten ist und die Schmerzen bereits eingetreten sind. Dann sollte man sich sehr genau überlegen, ob man das Risiko eines weiteren Fortschreitens der Arthrose in Kauf nimmt und weiterhin Laufen geht.

Als vorbeugende Maßnahmen werden von einigen Experten gut gedämpfte Laufschuhe und das Laufen auf weicherem Untergrund wie ebenen Waldwegen empfohlen – auch wenn der daraus resultierende Verbesserungseffekt umstritten ist. Stärkere Gefälle sollten nach Möglichkeit gemieden werden, da hier die Stoßwirkung auf Knie und Hüfte stark zunimmt. Die Muskulatur sollte gut trainiert sein, um die Gelenke zu entlasten. Ergänzende Trainingseinheiten, bestehend aus Krafttraining und Stretchen, können dazu beitragen, die Gelenkstabilität zu verbessern und das Fortschreiten der Arthrose zu verhindern.

Ist Laufen also einfach nur Mist?

Natürlich nicht. Laufen hat viele Vorteile.
Andererseits: wer regelmäßig läuft, geht davon aus, seinem Körper, seiner Gesundheit etwas Gutes zu tun. Das Herz-Kreislauf-System kommt in Schwung. Während andere abends vor dem Fernseher auf „Coach-Potato“ machen, ist man selbst aktiv, fühlt sich fit und gesund. Der Ruhepuls ist niedrig und wenn andere schon hecheln, fängt man selbst gerade erst an zu lächeln. Beim Routinecheck versichert einem der Arzt, man hätte die Fitness eines Jugendlichen. Das hat schon was.

Dazu passt es einfach nicht, dass das Laufen eben auch schädlich für den Körper sein kann. Ich kenne Läufer, die rund 70 Jahre alt sind, davon die Hälfte der Zeit läuferisch aktiv waren und noch immer Marathon locker unter 3:30 Stunden laufen können. Ohne größere Läuferbeschwerden und ohne Arthrose. Das ist wahrscheinlich aber eher die Ausnahme, denn die Regel.
Denn dem ist entgegenzuhalten, dass auch ohne Laufsport jede vierte Frau und jeder fünfte Mann über 65 Jahren hierzulande an Arthrose erkrankt. Menschen, die über viele Jahre oder gar Jahrzehnte Dauerlauf praktiziert haben, haben eben häufig auch ein höheres Arthrose-Risiko.

Autor: Stefan Lung

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